In der kinderpsychologischen Arbeit muss es gelingen, Zugang zur inneren Welt des Kindes zu finden. Es bedarf sehr viel Geduld und "Fingerspitzengefühl", bis das Kind Vertrauen gefasst hat. Dies bedeutet auch, dass man niemals nur mit dem Kind zu tun hat - ein Kind zu behandeln, ohne die Eltern mit einzubeziehen, wäre in vielen Fällen kontraproduktiv.

Kinder als Klienten - Verhaltenstherapie - Hypnotherapie - systemischer Ansatz
Neuropsychologie - Entwicklungspsychologie - kognitive Psychologie

Kinder als Klienten

Ein Kindertherapeut muss unbedingt fähig sein, sich in die innere Welt des Kindes einzufühlen. Es bedarf sehr viel Geduld und "Fingerspitzengefühl", bis das Kind Vertrauen gefasst hat. Kindertherapie bedeutet auch, dass man niemals nur mit dem Kind zu tun hat - ein Kind zu behandeln, ohne die Eltern miteinzubeziehen, wäre in vielen Fällen kontraproduktiv und sinnlos. Manchmal ist auch zu beobachten, dass das Problem, mit dem das Kind zum Psychologen gebracht wird, eher ein Problem der Umgebung des Kindes ist, als sein eigenes. Eltern kommen mit dem Kind, weil sie es "anders" haben wollen, braver, mitunter auch angepasster, besser in der Schule u. a. In diesen Fällen muss man sehr genau auf der Elternebene schauen, ob womöglich das eigene Wertesystem verändert werden sollte.Oft ist auch das Symptom des Kindes ein Zeichen für familiäre Schwierigkeiten oder elterliche Konflikte. Hier ist anzuraten, systemische Lösungen in Gang zu bringen. nach oben

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie mit Kindern arbeitet wie bei den Erwachsenen nach dem Prinzip, dass neurotisches Verhalten erlerntes Verhalten ist und deshalb wieder verlernt werden kann. Das problematische Verhalten wird genau analysiert und dann mit Methoden der VT z. B. Verstärkung, Desensibilisierung u.a. verändert.

Folgende Grundprinzipien bzw. Haltungen sollen speziell bei therapeutischem Vorgehen mit Kindern beachtet werden.

  • Die Therapeutin muss eine warme, freundliche Beziehung zum Kind aufnehmen, die sobald wie möglich zu einem guten Kontakt führt.
  • Die Therapeutin nimmt das Kind ganz so an, wie es ist.
  • Die Therapeutin gründet seine Beziehung zum Kind auf einer Atmosphäre des Gewährenlassens, sodass das Kind all seine Gefühle frei und ungehemmt ausdrücken kann. nach oben

Hypnotherapie

Es ist anfänglich genau zu erklären, was unter diesem Begriff zu verstehen ist. Die Begriffsverwirrung ist im Allgemeinen groß. Es ist wichtig, zwischen Hypnose, Hypnotherapie und "Hypnoseshows" zu unterscheiden.

Hypnotherapie ist eine Behandlungsmethode, bei welcher sich der Klient teilweise im veränderten Zustand der Hypnose bzw. Trance befindet. Dieser Zustand ähnelt teilweise meditativen Zuständen und man kann eine Art "Selbstversunkenheit" beobachten.

"Das Ziel des hypnotherapeutischen Vorgehens besteht grundsätzlich darin, dem Klienten eine Einstellung der Hoffnung zu vermitteln in Bezug auf seine Fähigkeiten, eine Situation zu meistern." (Olness/Kohen, Lehrbuch der Kinderhypnose und -hypnotherapie, 1993, S112).

Die Kinder werden mit verschiedenen Interventionen behandelt, die aktiv auf das Kreieren von Lösungen und nicht auf die Aufrechterhaltung eines Problems abzielen. Sie lernen dabei Ressourcen zu entdecken und zu nutzen, um so ein Maximum an Kontrolle zu erreichen. nach oben

Systemischer Ansatz

Unter systemisch verstehen wir die Zusammenarbeit mit allen Systemen, welche Kinder umgeben. In den meisten Fällen sind es die Eltern und Geschwister. Oft gibt es aber auch Kinder, die nicht bei den leiblichen Eltern wohnen. Besonders wichtig sind auch die Systeme außerhalb der Familie wie Kindergarten, Schule, Hort etc.

Auch wenn Eltern nicht in den Behandlungssitzungen mit dabei sind, sind alle Informationen rund um das Kind, Informationen aus seinem Lebensfeld sehr wichtig. Schließlich sollen Veränderungsprozesse in Gang gebracht werden, welche das Kind in seiner gewohnten Umgebung erproben muss und wofür es die Unterstützung der Eltern, KindergärtnerInnen, LehrerInnen benötigt.

Der systemische Zugang ist bei der Bearbeitung von Entwicklungsverzögerungen, Gewohnheitsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten hilfreich. Denn nur im systemischen Zusammenhang kann die Grundlage für die Entwicklung eines gesunden Selbstbildes, eines adäquaten Verhaltens und einer angemessenen Auseinandersetzung mit der Umwelt gebildet werden. nach oben

Neuropsychologie - Nerurophysiologie

Als klinische Psychologinnen erscheint uns die Neuropsychologie und die Neurophysiologie für unsere Arbeit von besonderer Bedeutung. Prozesse wie Denken, Verhalten und emotionales Erleben steht im Mittelpunkt. Kognitive Schwächen bzw. kognitive Therapien mentaler Störungen sind der Schwerpunkt in der Neuropsychologie. nach oben

Entwicklungspsychologie

Nicht nur für den Bereich der Entwicklungsverzögerungen sondern ganz allgemein ist der Gegenstand der Entwicklungspsychologie, Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen, nach denen sich das Verhalten des Menschen sowie seine Denkformen, seine Wahrnehmung, seine Haltungen und Einstellungen, aber auch seine Leistungen im Laufe des Lebens verändern. Entwicklung passiert nicht in Phasen, sondern erstreckt sich ein ganzes Leben lang. In der Arbeit mit Kindern erscheint es ganz wichtig, Kinder dort abzuholen und mit ihnen dort anzusetzen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen und sich nicht stur an Normen zu orientieren. Die Norm kann ein Ziel sein, ist aber kein guter Ausgangspunkt für die Arbeit mit Kindern.

"Innerhalb der Entwicklungspsychologie stellt sich bezüglich Teilleistungsschwächen die Frage: Wie entwickelt sich denn Kognition? Zunächst muss sich das Baby mit Informationen aus einem Sinnesgebiet auseinandersetzen. Dies gilt für alle Sinnesgebiete- auditive, visuelle und taktil- kinästhetische (Bewegung und Berührung) Wahrnehmung.

Die erste Stufe der Wahrnehmungsentwicklung nennt Felice Affolter die modalitätsspezifische Stufe. Das bedeutet, dass der Prozess des Wahrnehmens innerhalb eines Sinnesgebietes abläuft. Als nächstes stellt das Kind Verbindungen zwischen zwei Sinnesgebieten her. Es gelingt ihm bereits Gehörtes und Gesehenes und Berührungen miteinander zu verknüpfen.

Die zweite Stufe der Wahrnehmungsentwicklung nennt Felice Affolter die Intermodalstufe. Hier entstehen Verbindungen zwischen den einzelnen Sinnesgebieten.

Der nächste Entwicklungsschritt ist die Fähigkeit des Kindes, die Abfolge von Reizen als zusammengehörig zu erkennen, also eine Serie wahrzunehmen und zu verarbeiten. Affolter nennt das die Stufe der serialen Integration. Aufbauend auf diese Grundstufen entwickelt das Kind dann Signalsysteme und im weiteren Sprache und in weiterer Folge die Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen....." (Sindelar, Teilleistungsschwächen, 1994). nach oben

Kognitive Psychologie

Aufmerksamkeit

"Hier geht es um die Zergliederung und das Isolieren, aus einer Vielzahl von gleichzeitig eintreffenden Reizen, muss jener Reiz ausgewählt werden, der im Augenblick der wichtigste ist. Es ist ein aktiver Prozess. Falls die Aufmerksamkeit gestört ist, kann nicht mehr ganz bewusst ausgewählt werden, was der Verarbeitung zugeführt wird. Diese gilt für alle Bereiche der Wahrnehmung gleichermaßen. Sehbare Reize, hörbare Reize, Bewegungs- und Berührungsreize ..." (Sindelar, TLS, 1994)

Wahrnehmung

"Hier geht es um Gestaltung. Es werden einzelne Elemente ausgewählt und mit dem Eingangssignal verglichen. Auch hier handelt es sich um einen aktiven Prozess.

Wenn ein Reiz auf uns eindringt, wir ihn mittels unserer Aufmerksamkeit aus dem Gesamt ausgewählt haben, analysieren wir zuerst die wichtigsten Merkmale dieses Reizes, des Eingangssignales. Aus diesen wichtigsten Merkmalen bilden wir innerlich eine Hypothese, was dieser Reiz sein könnte. Diese innere Hypothese vergleichen wir mit dem Eingangssignal und verändern sie solange, bis unserer innere Hypothese mit dem Eingangssignal übereinstimmt. Dazu nehmen wir immer mehr Einzelelemente aus dem Eingangssignal auf. Wenn die innere Hypothese mit dem Eingangssignal zusammenpasst, dann ist der Prozess der Wahrnehmung abgeschlossen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der aktive Prozess der Wahrnehmung aus einer ständige Analyse des Eingangssignals, der Hypothesenbildung und dem Vergleich der Hypothese mit dem Eingangssignal besteht. Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess der Hypothesenbildung ..." (Sindelar, TLS, 1994)

Gedächtnis

"Das Gedächtnis ist die 'Schlichtungsstelle'. Jede Person schlichtet und codiert anders. Es geht darum, Informationen zu speichern, damit wir sie bei Bedarf wieder abrufen und reproduzieren können. Ultrakurzzeitgedächtnis (hier werden Wahrnehmungsinhalte nur ganz kurz gespeichert), Kurzzeitgedächtnis (dient der kurzfristigen Speicherung von Inhalten) und das Langzeitgedächtnis. In diesen Speicher geraten nicht alle Informationen die Menschen aufnehmen, da nicht alle Informationen so relevant sind, sie dort abzulegen. Doch wie funktioniert unser Gedächtnis?

Wir bringen Wahrnehmungsinhalte, die wir uns merken sollen oder wollen, in ein System. Diese Systeme sind dazu da, dass wir einerseits mehr Platz in unserem Speicher zur Verfügung haben, andererseits die abgelegten Inhalte auch leichter wieder finden können. Diese Ordnungsstrukturen des Gedächtnisses dienen also der ökonomie und Kapazitätssteigerung der Merkfähigkeit. Innerhalb dieser Systeme findet ein Ordnungsfinden statt, diesen Prozess nennt man "Kodierung". Kodierungsmechanismen sind aktive Gestaltungen von Wahrnehmungsinhalten, die wir in unserer Merkfähigkeit verwenden. Kodierung dient dazu, dass mehr Gedächtnisinhalte abgelegt werden können und diese leichter wieder aufgerufen werden können. Kodierungsmechanismen gestalten die Speicherung unserer Wahrnehmungsinhalte. Diese Kodierungsmechanismen sind individuell. Die Kodierung von Inhalten dient der ökonomie und besseren Verfügbarkeit von Gedächtnisleistungen. Die Gedächtnisfunktion ist also ebenso ein aktiver Prozess, wie die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit." (Sindelar, TLS, 1994). nach oben

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